Aus meinem astronomischen Kabinett

Seit dem Jahr 1999 bin ich Leiter der Schulsternwarte der Kantonsschule Frauenfeld. Diese ist im Jahr 1927 etwas ausserhalb der Stadt von einem begeisternden Lehrer gegründet und mittels Spenden von ehemaligen Schülern finanziert worden ( --> Link ). Heute liegt die Sternwarte aber mitten im Siedlungsgebiet, und der Nachthimmel ist entsprechend aufgehellt. Viele Scheinwerfer und seltsamerweise auch Strassenbeleuchtungen strahlen fast senkrecht in den Himmel, sodass zum Beispiel die Milchstrasse nur noch in wenigen Nächten pro Jahr deutlich hervortritt.

In meiner Funktion als Leiter der Sternwarte erhalte ich immer wieder Anfragen aus der Bevölkerung zu allen möglichen Themen, welche die Astronomie und manchmal auch die Astrologie betreffen. Die folgenden beiden Abschnitte sind Ergebnisse, die sich aus solchen Anfragen entwickelt haben.

 

Die Sonnenscheibe von Frauenfeld

Hier wird eine Rechenscheibe vorgestellt, welche es erlaubt, den Zeitpunkt des Sonnenauf- und Untergangs auf wenige Minuten genau abzulesen, und dies für einen beliebigen Standort auf der ganzen Welt und ein beliebiges Datum im Jahr. Diese Rechenscheibe habe ich 2008 im Auftrag von Herrn Patrick Mueller entwickelt, welcher als passionierter Jäger Jagdgesellschaften in allen möglichen Ecken der Welt organisiert hat. Mit seiner heute schon fast exzentrischen Vorliebe für Rechenschieber und Rechenscheiben hat er bei mir sofort offene Ohren gefunden.

 

Die Bifilar-Sonnenuhr von Frauenfeld

Hier wird die wunderschöne Bifilar-Sonnenuhr vorgestellt, welche Herr Ulrich Burgermeister anno 2000 als Auftragswerk zum 70. Geburtstag von Fritz Zurbuchen hergestellt hat. Fritz Zurbuchen war der lokale Sonnenuhrenspezialist, welcher gerne bei Restaurationen von Kirchen und Schlössern beigezogen wurde, wenn es galt, eine alte Sonnenuhr wieder korrekt zum Laufen zu bringen.
Die Bifilar-Sonnenuhr wurde erstmals 1922 von Hugo Michnik beschrieben. Sie wird sehr selten gebaut, dabei hat sie als Horizontalsonnenuhr viele Vorteile gegenüber anderen Bauformen. Es ist mir gelungen, einen einfachen Beweis dafür zu liefern, dass das Zifferblatt bei geeigneter Einstellung der Fäden tatsächlich in gleiche Stundensektoren von 15° eingeteilt werden kann, was einen einfachen Wechsel zwischen Ortszeit, Zonenzeit oder auch Sommerzeit erlaubt.